Dr. Roger Liebi untersucht in diesem Vortrag die umstrittene Frage nach dem Standort des biblischen Berges Sinai. Muss dieser Berg in Midian, dem heutigen Saudi-Arabien, gesucht werden, oder liegt er – wie traditionell angenommen wird – auf der Sinai-Halbinsel? Anhand biblischer Texte, insbesondere 4. Mose 10, legt Dr. Liebi dar, dass der Berg Sinai nicht in Midian liegen kann, da Moses Schwager Hobab nach dem Aufbruch vom Sinai in sein Heimatland Midian zurückkehren wollte. Dr. Liebi berichtet von einer kürzlichen Reise nach Nordwest-Saudi-Arabien, wo er persönlich vor Ort den Jebel al-Laus (Djebel Makla) erkundete, der von einigen als der wahre Berg Sinai angesehen wird. Er widerlegt die Behauptungen über eine „verbrannte Bergspitze“ und den „Altar des Goldenen Kalbs“ am Fuß des Berges, indem er geologische Erklärungen für die schwarzen Gesteine und Felsformationen liefert und auf die weite Verbreitung solcher Phänomene in der Wüstenlandschaft hinweist. Auch Felszeichnungen von Tieren werden als Beweis für die natürliche Besiedlung der Wüste und nicht für den Altar des Goldenen Kalbes interpretiert. Der vermeintliche „geschlagene Fels“ wird ebenfalls als natürliche Spaltungsformation erklärt. Abschließend wird der traditionelle Berg Sinai auf der Sinai-Halbinsel, das Musa-Safsafa-Massiv, als der wahre Ort der Gesetzgebung identifiziert, basierend auf historischen Überlieferungen und archäologischen Erkenntnissen. Dr. Liebi schließt den Vortrag mit einer theologischen Betrachtung des Gesetzes als „Gottes Spiegel, Siegel und Riegel“ und betont, dass das Gesetz zwar Israel gegeben wurde, aber auch heute noch für Nicht-Israeliten wertvolle Erkenntnisse über Gottes Gerechtigkeit und das menschliche Wesen bereithält. Es wird zwischen dem Gesetz des Sinai und dem höheren „Gesetz des Christus“ unterschieden, unter dem die christliche Gemeinde steht.

















