Kopfbedeckung oder unbedeckter Kopf beim Singen oder Beten – Fragen zu 1. Korinther 11

Frage

Bibelstelle: 1Kor 11
Wie siehst du die Anwendung von 1. Korinther 11,7: Dort steht, dass ein Mann beim Beten oder Weissagen nichts auf dem Haupt haben sollen. Gilt das auch für das Singen christlicher Lieder in der Öffentlichkeit? Ich schaue mir manchmal christliche Lieder auf YouTube an, und sehe einen Mann, der dabei eine Kappe auf dem Kopf hat. Durch das Singen lobt er doch Gott, aber verunehrt er nicht den Herrn als sein Haupt, wenn sein Kopf bedeckt ist? Oder gilt das nur für Beten und Weissagen, nicht aber für das Singen? Und eine damit zusammenhängende Frage: Auf dem Fahrrad trage ich einen Fahrradhelm, auf der Skipiste einen Skihelm. Oft bete ich bei diesen Aktivitäten still für mich. Sollte ich in diesen Situationen besser die Kopfbedeckung abziehen?

Antwort

Sehr viele Liedertexte sprechen direkt zu Gott. Daher ist Singen oftmals ein Gebet (mit dem Charakter von Anbetung oder Bitte). Manche Lieder ermutigen und trösten. Sie sind nach 1. Korinther 14,3 Weissagungen, das heißt, dass man zur Erbauung, Ermahnung und Tröstung der Gläubigen redet. Darum ist es nicht biblisch und nicht richtig für einen Mann, beim Singen eine Kopfbedeckung zu tragen.
In 1. Korinther 11,3-16 wird in Bezug auf die Frau, die betet oder weissagt, gesagt, dass sie sich dabei bedecken soll (nicht verhüllen, sondern „etwas auf dem Kopf haben“). Als Begründung steht unter anderem (in Vers 10) dieser Zusatz: „um der Engel willen“. Engel kennen unsere Gedanken nicht, aber sie beobachten die Gemeinde, die Anteil an der Erlösung hat. Sie selbst haben keinen Anteil daran, aber sie staunen über das, was Gott mit uns erlösten Menschen gemacht hat. Darum sagt 1. Korinther 4,9, dass wir sowohl Menschen als auch Engeln ein Schauspiel sind. In Epheser 3,10 lesen wir, dass durch die Gemeinde der Engelwelt Gottes große Weisheit demonstriert wird. Die Engel beobachten also von außen. Darum sind diese äußerlichen Zeichen für sie wichtig, weil sie die verborgene Herzenshaltung nicht sehen. Das macht klar, dass es also um das Beten geht, das von außen her sichtbar ist. Es geht um Gelegenheiten, bei denen klar ersichtlich ist: Da sind Menschen am Beten.
Aber wir sollten ja den ganzen Tag in einer Verbindung mit dem Herrn sein. So sagt Epheser 6,18, dass wir „zu aller Zeit beten“ sollen, oder es steht in 1. Thessalonicher 5,17: „Betet unablässig.“ Das kann natürlich auch beim Fahrrad- oder Motorradfahren geschehen, und bei allen möglichen Aktivitäten, wo man auch als Mann zwingend einen Helm trägt oder eine Kapuze aufhaben muss. Für solche Situation gilt das Gebot des unbedeckten Kopfes nicht, sondern für die Gelegenheiten, wo Menschen erkennbar am Beten sind. Da sind diese Zeichen notwendig.
Früher, als die Gesellschaft noch christlicher war, galt es z.B. beim Militär als ganz normal, dass man zum Gebet den Helm abnahm. Oder wenn beim Essen ein Tischgebet gesprochen wurde, hat man die Kopfbedeckung, die man als Soldat tragen muss, abgenommen. Da war die Situation klar, dass Menschen hier beten.
So darf man im umgekehrten Fall bei der Frau auch nicht aus 1. Korinther 11 eine Vorschrift ableiten, dass sie den ganzen Tag oder sogar auch nachts eine Kopfbedeckung tragen müsste. Nein, bei dem in 1. Korinther 11 beschriebenen Rahmen geht es um Beten und Weissagen, bei Gelegenheiten, die von außen her von der Engelwelt beobachtet und auch als solche wahrgenommen werden.

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