Zeitgeschichtliche Frage zu 2. Chronika 35-36: Woher hatte Ägypten die Berechtigung, den Juden nach der Niederlage von Karkemisch noch Tribut aufzuerlegen?

Frage

Bibelstelle: 2. Chr 36,3
Eine Frage zur Zeitgeschichte in 2. Chronika 35 und 36. Im Jahr 609 v.Chr. besiegten die Babylonier eine ägyptisch-syrische Allianz bei Haran, und 605 v.Chr. bei Karkemisch. Nebukadnezar stand vor Jerusalem und zog dann seine Armee zurück, um den Thron zu schützen, weil sein Vater, der König von Babylon, gestorben war. Wir lesen in 2. Chronika 36,3, dass die Ägypter den Juden Tribut auferlegten. Aber die Ägypter hatten doch den Krieg Karkemisch verloren. Wieso hatten sie zu dieser Zeit noch Anrecht auf Juda und konnten den König Joahas absetzen?

Antwort

Die Ägypter gingen hinauf bis nach Haran, um den Assyrern gegen die aufkommende Großmacht Babylon beizustehen. Dort wurden sie geschlagen. Die Ägypter gingen noch zur Zeit von König Josia hinauf, der sich jedoch den Ägypter entgegengestellt hatte. Das war aber verkehrt, und darum kam er damals ums Leben.

Aber Ägypten wurde geschlagen, und die Babylonier bekamen die Vorherrschaft über Assyrien, was aber noch nicht die Vorherrschaft über das Gebiet von Syrien, Libanon und Israel bedeutete. Da waren immer noch die Ägypter die vorherrschende Großmacht. Darum ist es bei Johas so, dass die Ägypter zu dem Zeitpunkt noch das Sagen hatten.

Die Wende kam erst im 3. Jahr von Jojakin, was danach in 2. Chronika 36,6 beschrieben wird (vgl. Daniel 1,1). Damals, um 606 v. Chr., wurde Jerusalem zum ersten Mal von den Babyloniern in die Zange genommen. Um diese Zeit bekamen die Babylonier die Vorherrschaft über die sogenannte Levante, das Gebiet von Syrien, Libanon und Israel.

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